Was ist geplant?
Die Argaman Group aus Frankfurt plant unter dem Projektnamen „Frank Cube" ein Rechenzentrum im neuen Gewerbegebiet „Im Obersten Grünnel" in der Gemeinde Birstein (Main-Kinzig-Kreis, Hessen).
Das Rechenzentrum soll im Gewerbegebiet auf rund 10,4 Hektar entstehen, davon 8,3 ha überbaubar (Umweltbericht zum Bebauungsplan, Stand 17.11.2025) — für KI, Cloud-Computing und Colocation. Die IT-Leistung beträgt im Vollausbau bis zu 170 Megawatt, die Netzanschlusskapazität 270 MVA — Städtebaulicher Vertrag, § 6 Abs. 2 → Zeitverlauf. Die Inbetriebnahme ist laut Projektentwickler für 2029 bis 2030 angestrebt; ursprünglich war die Fertigstellung für 2028 geplant DataCenter-Insider, 04.08.2026.
Wie viele Menschen dort arbeiten werden, ist offen. Der Projektentwickler nennt 100 bis 200 Arbeitsplätze. Die Zahl hänge vom Betriebsmodell ab: Ein einzelner großer Cloud-Anbieter brauche weniger Personal als ein Rechenzentrum mit vielen Mietern. Mitgezählt sind auch Reinigungs- und Sicherheitsdienste sowie Personal der künftigen Mieter DataCenter-Insider, 04.08.2026. Die Arbeitsgruppe der Gemeindevertretung geht in ihrer SWOT-Analyse ebenfalls von 100 bis 200 Stellen aus, möchte sich nach eigenen Worten aber „auf keine Zahl festlegen“. Eingerechnet waren dort die Stellen des geplanten Gaskraftwerks SWOT-Analyse, Abschnitt 2.2. Dieses Kraftwerk soll inzwischen in Schlüchtern entstehen. Bürgermeister Fabian Fehl: „Mit der Verlagerung des Energiekraftwerks nach Schlüchtern entgehen uns Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen in erheblicher Höhe“ osthessen-news, 28.08.2026. Der Städtebauliche Vertrag enthält keine Regelung zu Arbeitsplätzen Städtebaulicher Vertrag → Zeitverlauf.
Zum Vergleich: Der Leitfaden des Landes Hessen schreibt, für Betrieb und Wartung eines Rechenzentrums mit einem Megawatt sei „nur ein Arbeitsplatz nötig“. Bei Dienstleistern, die diese Rechenleistung nutzen, könnten „bis zu 20 weitere Arbeitsplätze entstehen“. Wo, lässt der Leitfaden offen Hessen-Leitfaden 2025, S. 26. Für ein Rechenzentrum in Maintal-Dörnigheim wurden rund 45 Arbeitsplätze angekündigt, zuzüglich Servicepersonal Hanauer Anzeiger, 13.10.2025. Für ein 24-Megawatt-Rechenzentrum in Rosbach sind es rund 100, laut hessenschau „weit über dem branchenüblichen Schnitt“ hessenschau, 06.09.2026. Alle diese Zahlen sind Ankündigungen, keine gemessenen Werte.
Der Investor nennt ein Investitionsvolumen im Milliardenbereich. Zum Ausgleich ist ein Wärmeenergiefonds vereinbart: 19,25 Mio. € Gesamtförderung (Jahresbeträge max. 1,2 Mio. €) zahlt der Betreiber an die Gemeinde — Städtebaulicher Vertrag, §§ 5–8 → Zeitverlauf.
- Investor Argaman Group, Frankfurt am Main
- Projektname „Frank Cube"
- Standort Gewerbegebiet „Im Obersten Grünnel", Birstein
- Fläche 10,4 ha Gewerbegebiet (8,3 ha überbaubar)
- IT-Leistung bis zu 170 MW im Vollausbau (vertraglich); Netzanschluss 270 MVA
- Verwendung KI, Cloud, Colocation
- Investition mehrere Milliarden Euro (Größenordnung)
- Arbeitsplätze 100 bis 200 laut Projektentwickler, je nach Betriebsmodell; vertraglich nicht zugesichert
- Inbetriebnahme angestrebt 2029 bis 2030 (laut Projektentwickler, DataCenter-Insider 04.08.2026; zuvor 2028)
- Wärmeenergiefonds 19,25 Mio. € Gesamtförderung (max. 1,2 Mio. €/Jahr, vertraglich)
Quellen: Städtebaulicher Vertrag (2026), Umweltbericht zum Bebauungsplan (Anlage 3, Stand 17.11.2025), SWOT-Analyse der Gemeinde (veröffentlicht Juli 2026), hessenschau, datacenter-insider, entwicklungsstadt.de, GNZ, osthessen-news, Hessen-Leitfaden — alle Quellen & Belege (Stand: Oktober 2026)
Wie wird das Rechenzentrum mit Strom versorgt?
Laut Berichterstattung ist ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) geplant. Es soll mindestens in der Anfangsphase einen wesentlichen Teil des benötigten Stroms liefern — bis zu rund 50 Prozent. Langfristig ist eine Umstellung auf Wasserstoff vorgesehen. Ergänzend sind 21 Windräder in der Region im Bau, und ein Anschluss an das 380-kV-Netz ist geplant.
Der Städtebauliche Vertrag legt für den Fall eines Erdgas-Kraftwerks fest: Brennstoffzellensysteme müssen mindestens 60 Prozent der im Kraftwerk erzeugten Energie liefern, mit jährlichem Nachweis durch den Betreiber — Städtebaulicher Vertrag, § 14.
Als Kompensation ist ein Wärmeenergiefonds vereinbart: 19,25 Millionen Euro Gesamtförderung (Jahresbeträge max. 1,2 Mio. €), aus dem Birstein Klimaschutzmaßnahmen finanzieren könnte — Städtebaulicher Vertrag, §§ 5–8 → Zeitverlauf.
Quelle: datacenter-insider, GNZ; Städtebaulicher Vertrag (2026)
Was bisher offen ist.
Gasmotoren-BHKW erzeugen beim Betrieb CO₂ und Stickoxide (NOx). Mit moderner Abgasreinigung lassen sich die Emissionen erheblich reduzieren — welche Technik für Birstein vorgesehen ist, ist bisher nicht öffentlich beantwortet.
Die Obergrenzen für Gasmotoren sind gesetzlich festgelegt und hängen an der Anlagengröße: Für neue Erdgasmotoren mit 1 bis unter 50 Megawatt Feuerungswärmeleistung gilt seit Januar 2025 ein Grenzwert von 100 Milligramm Stickoxiden je Kubikmeter Abgas (44. BImSchV), ab 50 Megawatt greift die 13. BImSchV. Welche der beiden Verordnungen für Birstein einschlägig wäre, hängt damit an einer Angabe, die bisher nicht veröffentlicht ist.
Allgemeine Sachgrundlage, nicht für Birstein gemessen. Quellen: 44. BImSchV §§ 1, 3, 15, 16; 13. BImSchV § 1; Umweltbundesamt, „Übersicht zur neuen 44. BImSchV" (2020) und „Motoranlagen und Blockheizkraftwerke" (Stand 03.03.2025).
Offene Fragen zur Energieversorgung
- Genaue Leistung des Gaskraftwerks in MW (nicht veröffentlicht)
- Verbindlicher Zeitplan für Wasserstoff-Umstieg
- Genehmigungsbedingungen für NOx-Emissionen
- Gesamtstromverbrauch im Vollbetrieb und Netzbelastung lokal
Wir fragen:
- Welche konkreten Emissionswerte sind genehmigungsrelevant?
- Ab wann und unter welchen Bedingungen soll auf Wasserstoff umgestellt werden?
- Wie verhält sich der Klimafonds zur Größenordnung des Projekts?
Hinweis: Gasmotoren-BHKW sind eine weit verbreitete Technologie. Konkrete Emissionswerte für das Birsteiner Vorhaben liegen uns nicht vor — wir rahmen diese Fragen daher als allgemeine Sachgrundlage. Quellen: Umweltbundesamt, SOKRATHERM.
Zum Vergleich: Rhein-Main
RZ-Strombedarf in Frankfurt hat sich 2017–2022 mehr als verdoppelt — inzwischen knapp 30 % des städtischen Stromverbrauchs. (Quelle: IW Consult 2025)
Was bedeutet der Standort für die Nachbarschaft?
Der geplante Standort im Gewerbegebiet „Im Obersten Grünnel" liegt nach Angaben aus der lokalen Berichterstattung in der Nähe von Schule und Kindergarten. Das war einer der zentralen Kritikpunkte der Gegner des Projekts.
Große Rechenzentren sind Dauerschallquellen: Kühlanlagen, Lüfter und technische Aggregate laufen rund um die Uhr. Das ist branchenweit eine der häufigsten Beschwerden anliegender Gemeinden — konkrete Lärmmessungen für Birstein liegen noch nicht vor.
[Einordnung als allgemeine Branchensachgrundlage — keine Birstein-Messwerte]
Dauerlärm
Rechenzentren und BHKW sind Dauerschallquellen (Kühler, Lüfter, Turbinen). Tieffrequentes Brummen ist die häufigste Beschwerde in Gebieten mit großen Rechenzentren. Konkrete dB-Werte für Birstein: nicht veröffentlicht.
Verkehr
Bau und Betrieb eines Rechenzentrums dieser Größe erzeugen erheblichen Schwerlastverkehr — sowohl in der Bauphase als auch für Wartung und Infrastruktur. Konkrete Prognosen für Birstein: nicht veröffentlicht.
Fläche & Boden
10,4 Hektar Gewerbegebiet, davon 8,3 Hektar überbaubar — großflächige Bodenversiegelung. Der Trend geht zu immer leistungsdichteren Anlagen. (Quellen: Umweltbericht zum Bebauungsplan; Regionalverband FrankfurtRheinMain)
Was bisher offen ist.
- Welche Schallschutz-Auflagen sind für das Birsteiner Vorhaben geplant oder bereits genehmigt?
- Wie viele Fahrzeugbewegungen sind in der Bau- und Betriebsphase zu erwarten?
- Welche Auswirkungen hat das auf die bestehende Infrastruktur der Gemeinde?
Hinweis: Exakte Abstände zwischen dem geplanten Standort und Schule bzw. Kindergarten wurden in der bisherigen Berichterstattung nicht beziffert. Wir stellen die Frage, ohne eine Zahl zu behaupten, die wir nicht belegen können.
Lärm- und Standortangaben: allgemeine Sachgrundlage aus Branchenberichten (WRI; zu Standortfragen außerdem Harvard Gazette). Keine projektspezifisch gemessenen Werte für Birstein verfügbar (Stand Juni 2026).
Wie viel Wasser braucht ein Rechenzentrum dieser Größe?
Rechenzentren werden in der Regel mit Wasser gekühlt. Ein erheblicher Teil dieses Wassers verdunstet — er wird also verbraucht, nicht zurückgeführt. Bei großen Anlagen handelt es sich um Mengen, die die Wasserversorgung anliegender Gemeinden belasten können.
Das ist Branchenwissen. Für Birstein regelt der Städtebauliche Vertrag inzwischen Obergrenzen: Verzicht auf Grundwasserförderung und höchstens 10.000 m³ pro Jahr aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung — Städtebaulicher Vertrag, § 2 Abs. 2.
Wasser: Typischer Verbrauch großer Rechenzentren
Ein typisches Rechenzentrum verbraucht rund 300.000 Gallonen / 1,1 Mio. Liter pro Tag (entspricht ca. 1.000 Haushalten) zur Kühlung. Große Anlagen können bis zu 5 Mio. Gallonen / rund 19 Mio. Liter täglich benötigen — bis zu 85 % davon verdunsten (kein Rückfluss ins System).
Quellen: EESI, Lincoln Institute. Vergleichswerte, nicht für Birstein gemessen.
Abwärmenutzung nach EnEfG
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schreibt für neue Rechenzentren ab einer bestimmten Größe Vorgaben zur Abwärmenutzung vor. Hessen hat dazu einen eigenen Leitfaden für Kommunen erarbeitet (2025).
Wie Argaman die Abwärmenutzungspflichten umsetzen will, ist bisher nicht öffentlich beantwortet.
Was bisher offen ist.
- Aus welcher Quelle wird das Kühlwasser für „Frank Cube" bezogen?
- Wie wirkt sich der Verbrauch auf die lokale Wasserversorgung aus?
- Sind die Abwärmenutzungspflichten nach EnEfG in der Planung berücksichtigt?
Informiert bleiben
Wir dokumentieren die Entwicklungen weiter — sachlich und quellenbasiert.