So haben sich die Angaben verändert
Zu einem Vorhaben dieser Größe kursieren über Monate unterschiedliche Zahlen. Wir dokumentieren hier nur Veränderungen, bei denen alte und neue Angabe eine datierte, benennbare Quelle haben — ohne Wertung, in zeitlicher Reihenfolge.
Arbeitsplätze
- 25.09.2025 Bei der Projektvorstellung: im Rechenzentrum „direkt zwischen 50 und 150 neue Arbeitsplätze“, durch das Gas-Blockheizkraftwerk „weitere 20 bis 50 Stellen“, dazu möglicherweise „bis zu 200 weitere Stellen“ in einem IT-Kompetenzzentrum. Zwischentitel der Zeitung: „bis zu 250 neue Arbeitsplätze“
- 07.10.2025 „bis zu 250 Arbeitsplätze in Betrieb und Infrastruktur“
- 21.04.2026 Der Projektentwickler gehe von „rund 200 Arbeitsplätzen im Drei-Schicht-Betrieb (24/7)“ aus, die Stellen des Gaskraftwerks seien „bereits einkalkuliert“. Die Arbeitsgruppe rechnet mit „100 bis 200“, möchte sich aber „auf keine Zahl festlegen“
- 11.06.2026 Der Städtebauliche Vertrag enthält keine Arbeitsplatz-Zusage
- 04.08.2026 „Wir können uns bis zu maximal 200 Arbeitsplätze vorstellen, also zwischen 100 und 200.“ Die Zahl 250 stamme nicht von Argaman; die konkrete Zahl hänge vom Betriebskonzept ab
- 28.08.2026 Das Kraftwerk soll in Schlüchtern entstehen: „Mit der Verlagerung des Energiekraftwerks nach Schlüchtern entgehen uns Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen in erheblicher Höhe.“ Eine neue Zahl für den Standort Birstein wurde nicht genannt
IT-Leistung und Netzanschluss
- 25.09.2025 Bei der öffentlichen Projektvorstellung heißt es: „um 200 Megawatt (MW) für die IT bereitzustellen, müssen zwischen 240 und 270 MW zur Verfügung stehen“
- Juni 2026 IT-Leistung „bis zu 200 MW“, in einzelnen Berichten „170 MW“; die SWOT-Analyse nennt „270 MW“
- 11.06.2026 IT-Leistung im Vollausbau bis zu 170 MW; Netzanschlusskapazität 270 MVA — die „270“ ist damit die Anschlusskapazität in Megavoltampere, nicht die Dauerleistung in Megawatt
Förderbetrag an die Gemeinde („Klimafonds“ / Wärmeenergiefonds)
- 21.04.2026 „18 Mio. €“ Fondsvolumen
- 11.06.2026 Wärmeenergiefonds: Jahresbeträge max. 1,2 Mio. €, Gesamtförderung 19,25 Mio. €. Verzichtet die Gemeinde per Beschluss auf die Schwimmbad-Leitung, steigt sie auf 20 Mio. €: Die zusätzlichen 750.000 € entsprechen den kalkulierten Leitungskosten. Eine Kostenbeteiligung für die Feuerwehr (bis 1 Mio. €) wird von der Gesamtförderung abgezogen.
SWOT-Analyse: die „kein Risiko“-Formulierung
- 21.04.2026 Abschnitt 3.3 schließt: die Arbeitsgruppe „kann festhalten, dass kein Risiko für die Bevölkerung in dieser Hinsicht besteht“ (Versorgungssicherheit Strom)
- 03.07.2026 In der amtlich veröffentlichten Fassung fehlt dieser Halbsatz; der Satz ist dort grammatisch unvollständig. Ein Textvergleich (04.09.2026) zeigt: Alle Kernzahlen beider Fassungen sind identisch; nach dem Muster ist es ein Übertragungsfehler beim Zeitungssatz.
Das Kraftwerk
- 25.09.2025 Bei der öffentlichen Projektvorstellung wird die Anlage als „Gas-Blockheizkraftwerk“ vorgestellt, das „anfangs bis zu 50 Prozent des benötigten Stroms erzeugen soll“; ein Umstieg auf Wasserstoff sei „relativ einfach möglich“
- 30.09.2025 Ein Online-Magazin berichtet von einem „Gaskraftwerk“, das den Strombedarf in einer Übergangszeit decken soll
- 11.06.2026 Der Städtebauliche Vertrag wird konkret: Netzanschlusskapazität des Vorhabens 270 MVA; Brennstoffzellensysteme müssen mindestens 60 % der im Kraftwerk erzeugten Energie liefern, mit jährlichem Nachweis
- 03.07.2026 Die SWOT-Analyse der Gemeinde spricht von „270 MW installierte Leistung“
- 03.09.2026 Bürgermeister Fehl erklärt in der öffentlichen Gemeindevertretersitzung: Das Kraftwerk entsteht „voraussichtlich nicht am vorgesehenen Standort“
- 04.09.2026 Die Presse berichtet: Die Argaman Group plant ein H2-ready-Energiekraftwerk im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ in Schlüchtern (Investitionsvolumen 750 Mio. €) — ausdrücklich zur Stromversorgung des in Birstein geplanten Rechenzentrums
Kühlung und Wasser
Bei einem Rechenzentrum entscheidet das Kühlsystem darüber, wie viel Wasser gebraucht wird. Wir dokumentieren hier, was dazu seit Bekanntwerden des Vorhabens öffentlich gesagt wurde, und wo es keine belegte Aussage gibt. Der Projektentwickler hat sich bis heute nicht auf ein Kühlsystem festgelegt: Bei der Projektvorstellung am 25.09.2025 war Kühlung kein Thema, am 04.08.2026 nannte er erstmals zwei Möglichkeiten, Luftkühlung oder einen geschlossenen Kühlkreislauf. Welche gebaut wird und wie viel Wasser sie braucht, ist öffentlich nicht beantwortet.
- Lücke: 25.09.2025 bis heute In diesem ganzen Zeitraum liegt keine schriftlich niedergelegte Festlegung des Projektentwicklers auf ein Kühlsystem vor. Die erste belegbare Äußerung (04.08.2026) nennt zwei Möglichkeiten: Luftkühlung oder einen geschlossenen Kühlkreislauf. Stand: 2. Oktober 2026. Wer eine belegte Aussage kennt, meldet sich bitte bei uns.
- 25.09.2025 Bei der öffentlichen Projektvorstellung im Bürgerhaus Mauswinkel ist Kühlung kein Thema. Der Zeitungsbericht erwähnt weder ein Kühlsystem noch den Wasserverbrauch; er zitiert die Aussage, die Belastung sei „gering, weder durch die Verkehrsanbindung, noch durch Emissionen oder durch Lärm“.
- 30.09.2025 und 07.10.2025 Auch die beiden ersten Berichte der Fachpresse (entwicklungsstadt.de, DataCenter-Insider) nennen Windstrom, Gaskraftwerk und Abwärme, aber kein Kühlsystem und keinen Wasserbedarf.
- 17.11.2025 Der Umweltbericht zum Bebauungsplan behandelt Wasser nur als Regenwasser: Rückhaltebecken, gedrosselter Abfluss, „ggf. Brauchwassernutzung“. Eine Kühlwassermenge nennt er nicht. Das Gebiet liegt außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten; das nächste ist rund 630 Meter entfernt.
- 21.04.2026 Die Arbeitsgruppe der Gemeindevertretung schreibt in ihrer SWOT-Analyse: „Je nach Kühlungssystem können Rechenzentren einen hohen Wasserverbrauch haben. Die Arbeitsgruppe hat daher ein Kühlsystem gefordert, das nicht auf Wasser basiert. Im Vertrag ist für das Rechenzentrum ein Trinkwasserbezug von der Gemeinde auf max. 10.000 m³ begrenzt.“ Zum Vergleich nennt sie den Jahresverbrauch der Ortsteile Bösgesäß und Böß-Gesäß (ca. 7.000 m³) und Untersotzbach (ca. 14.000 m³). Für das Gewerbegebiet waren im Bauleitplanverfahren einmal 18.000 m³ vorgesehen; „ein möglicher weiterer Bedarf soll über die Regenwassernutzung gedeckt werden“. Das ist die erste belegte Aussage zur Kühlung überhaupt, und sie ist eine Forderung der Gemeinde, keine Zusage des Projektentwicklers.
- 28.05.2026 Bürgerversammlung im Bürgerzentrum: Die Arbeitsgruppe stellt ihre Ergebnisse vor. Ein Protokoll liegt uns nicht vor. Was dort zur Kühlung gesagt wurde, ist nicht dokumentiert.
- 11.06.2026 Der Städtebauliche Vertrag legt kein Kühlsystem fest. Er begrenzt den Bezug aus dem öffentlichen Trinkwassernetz für den Fall, dass Wasser gebraucht wird: Der Vorhabenträger verzichtet „auf die Förderung von Grundwasser. Wenn für die Kühlsysteme der RZ-Gebäude, der darin verbauten Technik und aller dazugehörigen Anlagen (Energieerzeugung, etc.) Wasser benötigt wird, werden zur Deckung des Wasserbedarfs maximal 10.000 m³ Wasser pro Jahr aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung bezogen.“ Mit Zustimmung der Gemeinde kommen bis zu 7.000 m³ Abwasser aus dem Freibad dazu. Der Vertrag erlaubt außerdem Kühlsysteme bis zu drei Meter über der im Bebauungsplan festgesetzten Höhe.
- 15.06.2026 Ein Bürger fragt die Gemeinde schriftlich, wie hoch der Wasserbedarf „im Regelbetrieb, in Spitzenzeiten und bei sommerlichen Hitzeperioden“ wäre, woher das Wasser kommen soll und wie die Grenze von 10.000 Kubikmetern „technisch und organisatorisch“ eingehalten wird.
- Juni 2026 Die Fraktionen von SPD, FBG und CDU und die Arbeitsgruppe antworten in einem „Faktencheck“: „Rechenzentren benötigen Kühlwasser. Vertraglich wurde die Frischwassermenge streng auf maximal 10.000 m³ pro Jahr begrenzt. Das sind 8.000 m³ weniger, als vor 18 Jahren für die ursprüngliche Erschließung des Baugebietes vorgesehen waren. Den restlichen Bedarf sowie das Löschwasser muss der Betreiber über Regenwassernutzung abdecken.“ Die Gemeinde-Fassung fügt hinzu: „Es gibt keine geheimen Öffnungsklauseln zur Nutzung von Freibadwasser.“
- 02.07.2026 Beim ersten Infoabend der Bürgerinitiative sind „der Brandschutz und der Wasserverbrauch des Rechenzentrums“ Thema.
- 09.07.2026 Auf der Informationsveranstaltung von BUND und Bürgerinitiative sagt der BUND-Energiesprecher Dr. Werner Neumann, 10.000 m³ würden seiner Meinung nach nicht reichen, und hält fest: „welche Kühltechnik, wie hoch, was ist mit Notstromdiesel … alles während Planung nicht geklärt“. Als offene Frage bleibt stehen: „Was ist wenn RZ mehr Wasser braucht als vertraglich geregelt?“
- 04.08.2026 Der Projektentwickler äußert sich erstmals belegbar zur Kühlung. Dr. David Roitman im Fachmedium DataCenter-Insider, unter der Zwischenüberschrift „Kühlung: wasserarm oder ganz ohne Wasser“: „Was die Kühlung angeht, haben wir konkrete Vorstellungen, entweder ganz mit Luft oder mit einem geschlossenen Kühlkreislauf zu arbeiten. Es soll auf jeden Fall ein wasserarmes oder gar kein Wasser benötigendes System sein.“ Damit stehen zum ersten Mal die Wörter „Luft“, „geschlossener Kühlkreislauf“ und „wasserarm“ in einer öffentlichen Aussage des Projektentwicklers. Eine frühere öffentliche Festlegung auf ein bestimmtes System ist in unseren Quellen nicht dokumentiert.
- 03.09.2026 In der Gemeindevertretersitzung bleibt der Wasserbedarf aus Sicht der Bürgerinitiative eine der offenen Fragen.
- Stand 22.09.2026 Welches Kühlsystem gebaut wird und wie viel Wasser es braucht, ist öffentlich nicht beantwortet. Die vertragliche Grenze von 10.000 m³ betrifft den Bezug aus dem öffentlichen Trinkwassernetz und gilt, „wenn Wasser benötigt wird“.
Stand dieser Seite: 1. Oktober 2026. Grundlage: die Dokumente auf der Seite Quellen & Belege; Textvergleich der SWOT-Fassungen vom 04.09.2026. Fällt Ihnen eine Angabe auf, die hier fehlt? Schreiben Sie uns — Kontakt im Fußbereich.