Birstein steht nicht allein.

Das geplante Rechenzentrum in Birstein ist Teil einer größeren Entwicklung — in der Region Frankfurt / RheinMain und weit darüber hinaus. Was anderswo passiert, gibt unseren Fragen zusätzliches Gewicht.

Zeichnung einer Mittelgebirgslandschaft aus leicht erhöhter Sicht: Über das Tal verteilt stehen sieben gleichartige, lange fensterlose Hallen mit Kühlgeräten auf den Dächern. Jede steht unmittelbar neben einem Dorf, das sie deutlich überragt — beim vordersten reicht der Kirchturm nur bis knapp unter die Dachkante. Am Horizont eine Reihe Windräder.
Illustration: KI-generiert, Zukunft Birstein

Frankfurt ist bereits an Grenzen gestoßen — und schaut ins Umland.

Die Region Frankfurt / RheinMain ist einer der dichtesten Rechenzentrumsstandorte Europas. Fast ein Drittel aller deutschen Rechenzentren konzentriert sich hier. Allein in Frankfurt gibt es 55 von 76 regionalen Standorten, die zusammen rund 63 Hektar Fläche beanspruchen.

Quelle: Regionalverband FrankfurtRheinMain

Der Stromverbrauch dieser Anlagen hat sich in Frankfurt zwischen 2017 und 2022 mehr als verdoppelt. Heute entfällt knapp ein Drittel des gesamten städtischen Stromverbrauchs auf Rechenzentren.

Quelle: IW Consult Studie 2025, BUND Hessen

Um diese Nachfrage zu bedienen, investieren Mainova, Avacon und Tennet allein im Großraum Frankfurt/Rhein-Main gemeinsam 750 Millionen Euro in den Ausbau des Stromnetzes.

Quelle: BUND Hessen / Tennet

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Aller deutschen Rechenzentren liegen in der Region Frankfurt / RheinMain

Quelle: Regionalverband FrankfurtRheinMain

750 Mio. €

Netzausbau-Investitionen allein im Großraum Frankfurt durch Mainova, Avacon & Tennet

Quelle: BUND Hessen / Tennet

Die Kontext-Frage

Wenn die Ballungsräume an ihre Grenzen stoßen — was bedeutet das für Gemeinden im Umland wie Birstein?

Was passiert anderswo?

In den Vereinigten Staaten ist der Bau von Rechenzentren in den letzten Jahren auf erheblichen lokalen Widerstand gestoßen. Die Situation ist rechtlich und politisch nicht mit Deutschland vergleichbar — aber die Fragen, die Bürgerinnen und Bürger dort stellen, ähneln denen, die auch Birstein beschäftigen.

Blockiertes Investitionsvolumen USA

~156 Mrd. USD

Volumen der bis Ende 2025 durch lokalen Widerstand blockierten oder verzögerten Rechenzentrum-Projekte in den USA.

Stand: Ende 2025. Im ersten Quartal 2026 wurden bereits weitere Projekte über 130 Mrd. USD blockiert. Quelle: Data Center Watch, Tom's Hardware

Peculiar, Missouri · 1,5 Mrd. USD (2024)

Aus der Flächennutzungsplanung gestrichen

Bürgerinnen und Bürger wandten sich gegen das Vorhaben mit den Argumenten Lärm, Eingriff ins Ortsbild und mögliche Immobilienwertminderung. Das Rechenzentrum wurde aus der Flächennutzungsplanung gestrichen.

Quelle: Data Center Watch

Cascade Locks, Oregon · 100 Mio. USD (2023)

Projekt storniert, Amtsträger abgewählt

Nach Bedenken über steigende Nebenkosten und mangelnde Glaubwürdigkeit des Entwicklers wurden zwei lokale Amtsträger abgewählt. Das Projekt wurde storniert.

Quelle: Data Center Watch

Warrenton, Virginia · Amazon (2023–2025)

500+ Bürger bei Anhörungen, Gericht ordnet Verzögerung an

Mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an öffentlichen Anhörungen — mit Bedenken zu Verkehr und Umweltauswirkungen. Befürworter des Projekts wurden abgewählt. Ein Gericht ordnete eine Verzögerung an.

Quelle: Data Center Watch

Prince William County, Virginia · 24,7 Mrd. USD (laufend)

Mehrere Klagen, Verfahren offen

Mehrere Klagen wurden eingereicht — wegen Umweltauswirkungen, Netzbelastung, Lärm und Eingriffen in historische Stätten. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Quelle: Data Center Watch

~70 %

der US-Amerikaner möchten kein Rechenzentrum in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft

Quelle: ITK Research / WRI (Ipsos-Umfrage Ende 2025)

Einschränkungshinweis

Diese Beispiele stammen aus den USA. Das dortige Planungs- und Klagerecht unterscheidet sich erheblich vom deutschen. Wir zeigen diese Fälle als Kontext — nicht als Vorlage oder als Versprechen.

Ebenso gilt die Ipsos-Umfrage für die USA — sie ist nicht direkt auf die Situation in Birstein übertragbar.